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OSM-Kurs kartierte die Trümmerstraße des AKNZ

Juni 5th, 2011 · Keine Kommentare

Am Nachmittag erfassten die Seminarteilnehmer die Geodaten der Trümmerstraße auf dem AKNZ-Gelände und luden sie auf den in London stehenden OSM-Server hoch.

Um Crisis Mapping, also das Erfassen von Geodaten nach Katastrophen und das Kartieren von beschädigter und intakter Infrastruktur, von zusammengestürzten Gebäuden und Flüchtlingscamps in Krisen- und Katastrophengebieten, drehte sich ein Workshops, zu dem die AW-Wiki-Freunde und die OpenStreetMap-Gruppe Bonn jetzt in die Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) nach Ahrweiler eingeladen hatten. Ziel des Workshops war es, Einblicke in das Crisis Mapping und in das globale OpenStreetMap-Projekt (OSM) zu ermöglichen. OSM ist die Abkürzung für ein 2004 von einem englischen Studenten gegründetes globales kollaboratives Projekt, bei dem es darum geht, freie Geodaten und eine freie Karte der Welt zu erschaffen. Weltweit 400.000 Aktive beteiligen sich derzeit am Aufbau dieser einzigartigen Basis an Geodaten.

„Spätestens nach der Erdbebenkatastrophe in Haiti ist deutlich geworden, dass OpenStreetMap bei der Bereitstellung aktuellen und detaillierten Kartenmaterials ein wichtiger Partner für internationale Hilfsorganisationen sein und einen wichtigen Beitrag zur Orientierung der Rettungskräfte vor Ort leisten kann“, stellte der in Ahrweiler wohnende Veranstaltungsinitiator Werner Kathe bei der Begrüßung der rund 20 Teilnehmer fest. Kathe wies auch darauf hin, dass kleine regionale Projekte wie das AW-Wiki von den OSM-Daten profitieren und andererseits Impulse für den weiteren Ausbau von OSM geben könnten.

Zu den Teilnehmern gehörte auch Hausherr Dieter Franke, der langjährige Leiter Lehre des AKNZ. Nach dem schweren Erdbeben am 12. Januar 2010 in Haiti und nach der Natur- und Atomkatastrophe am 11. März 2011 in Japan seien Katastrophenschutzorganisationen weltweit auf die Schnelligkeit Leistungsfähigkeit von OSM aufmerksam geworden. Deshalb freue er sich, mit der Veranstaltung in Ahrweiler nun auch selbst einen Einblick in dieses globale Geodaten-Projekt zu bekommen.

Dr. Michael Judex vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz machte in seinem Referat die Bedeutung von Geodaten für den Bevölkerungsschutz deutlich: „Erfolgreicher Katastrophenschutz beginnt mit guten und verlässlichen Geoinformationen“, sagte er. Nach Katastrophen sei es wichtig, neben Informationen, die – beispielsweise per Satellit – fernerkundet wurden, aktuelle Daten von vor Ort zu bekommen. Hier habe OSM in Haiti Maßstäbe gesetzt.

Pascal Neis, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Institut für Geoinformatik der Uni Heidelberg, erklärte, dass rund 700 OSM-Aktive nach dem Erdbeben von Haiti innerhalb weniger Tage eine aktuelle Karte erarbeitet hatten, die Aufschluss über die Standorte von Flüchtlingscamps, zerstörten Gebäude, Straßen und Brücken sowie über Hindernisse gab. Ein Notfall-Routenplaner, der mit diesem Kartenmaterial arbeitete, war in der Lage, Katastrophenhelfer sicher zu ihren Einsatzorten zu lotsen.

Stephan Bialonski, ein leidenschaftlicher Freizeit-Streetmapper aus Bonn, ergänzte in seinem Referat, dass immer mehr Behörden – unter anderem die Vereinten Nationen, die Weltbank und das UmweltbundesamtOSM-Geodaten für ihre Arbeit nutzen. Gründe dafür seien, dass die OSM-Daten für immer größere Bereiche der Welt detaillierter und aktueller seien als alle anderen verfügbaren Daten. Insbesondere in den Großstädten der Welt verfüge OSM inzwischen über ein Vielfaches der Daten, die kommerzielle Anbieter bereitstellen.

Am Nachmittag wurde das Gelernte in der Praxis vertieft und umgesetzt. Dabei erfassten die Seminarteilnehmer die Geodaten der Trümmerstraße auf dem AKNZ-Gelände und luden sie auf den in London stehenden OSM-Server hoch. Feuerwehrleute und andere Kastastrophenhelfer üben auf diesem Gelände vor allem das Orten und Bergen von Menschen nach Erdbeben, Tsunamis, Bränden, Terroranschlägen und aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen.

Tags: AW-Wiki

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